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Medienverfahren Der Fachjournalist

Der „Deutsche Fachjournalisten-Verband“ (DFJV) ist der weitgehend unbekannte „Bruder“ des viel größeren „Deutschen Journalisten-Verbandes“ (DJV). Er versteht sich Interessenvertretung von Journalisten, die sich auf ein Ressort oder ein Fach spezialisiert haben. Zu den Leistungen der Organisation für seine durchaus namhaften Mitglieder zählt „berufliche Absicherung‘, also zum Beispiel eine Rechtsschutzversicherung oder eine Vermögensschaden-Absicherung. „Journalist zu sein ist spannend. Aber manchmal auch riskant. Denken Sie nur an Unterlassungsklagen, Streit um das Urheberrecht oder Schadenersatzansprüche“, heißt es auf der Homepage des DFJV. Die Leute wissen, wovon sie sprechen.

Im Herbst 2006 mussten sie nämlich ihre eigenen Service-Produkte in Anspruch nehmen. Das kam so: In der Verbands-Zeitschrift „Der Fachjournalist“ (Heft 4/06) erschien unter dem Titel „Kollegenspionage in der Grauzone“ ein ziemlich leichtfertiger Artikel. Er stellte Behauptungen auf, die so nicht stehen bleiben durften.

Also ließ ich dem „Fachjournalisten“ eine Gegendarstellung zukommen.

 

Der Text:

1. ( ) Wilhelm Dietl, Deckname „Dali“ ( ) landete schließlich über Jahre beim FOCUS, in Chefredakteur Helmut Markwort rausschmiss, weil er Dietls BND-Kontakte spitz bekam“. Dies ist unrichtig, Ich wurde von der FOCUS Magazin Verlag GmbH, vertreten durch den Chefredakteur und Geschäftsführer Herrn Helmut Markwort, nicht wegen meiner ‘BNDKontakte‘ gekündigt.

 

2. Dietl hatte (....) Informationen etwa über die beiden ‘Spiegel-Autoren (gemeint sind Hans Leyendecker und Georg Mascolo) an den BND geliefert.

Dies ist unrichtig. Ich habe an den BND keine Informationen über Herrn Leyendecker bzw. Herrn Mascolo geliefert.

 

3. Dietls Denunziation: Zum einen offenbar ein Racheakt, aber wohl noch mehr, nämlich Geld- und Machtgier. Dietl gab im Intetview mit der 3sat-Sendung ‘Kulturzeit ‘zu, vom Dienst über Jahre insgesamt etwa 650 000 D-Mark erhalten zu haben (....).

Hierzu stelle ich fest: Ich habe die genannten Kollegen nicht denunziert, also auch nicht aus Rache oder aus Geld- und Machtgier. Der Eindruck, ich hätte vom BND 650 000 D-Mark für Bespitzelung von journalistischen Kollegen erhalten, ist unrichtig. Ich habe zu keiner Zeit journalistische Kollegen im Auftrag des BND oder auf eigene Veranlassung bespitzelt; ich habe hierfür auch vom BND nie Geld erhalten.

 

4. Dietl war parallel zu seinen BND-Aktivitäten freier Mitarbeiter von FOCUS. Dies ist unrichtig Mein Arbeitsverhältnis mit dem BND endete, als ich als fester freier Mitarbeiter bei FOCUS anfing.“

 

Der Anwalt des betroffenen Nestor Verlages bemühte sich redlich, Schaden von seinen Auftraggebern abzuwenden. Er berief sich grundsätzlich auf den „Schäfer-Bericht“ und dessen — für ihn - unbedingte Glaubwürdigkeit. Was die Kündigung bei FOCUS betraf, fand er eine einfache Formel, die sicherlich aus keinem juristischen Seminar stammte: „Der Zusammenhang mit der Kündigung Ihres Mandanten liegt auf der Hand.“ Der Anwalt beklagte, dass meine Gegendarstellung eine „zulässige Meinungsäußerung“ behindere, bot aber gleichwohl an, Punkt eins und zwei künftig zu unterlassen. Im übrigen werde der „Fachjournalist“ über meine „Machenschaften“ nicht mehr berichten. Nach anfänglichem Gepolter druckte das Fachorgan schließlich in seiner Ausgabe 5/06 meine Gegendarstellung ab. Darüber hinaus einigten wir uns auf einen außergerichtlichen Vergleich. Der „Fachjournalist“ verpflichtete sich, mit mir ein Interview zu den strittigen Behauptungen zu führen und dieses zu veröffentlichen. So kam es dann auch. Chefredakteurin Julie Steinen schickte mir fünf Fragen, die ich schriftlich beantwortete. Der Text erschien in der Januarausgabe 2007. Damit war der Zwist beendet.

 

Die Berliner Standesorganisation konnte sich wieder ihren wesentlich angenehmeren Beschäftigungen zuwenden. Zum Beispiel dem traditionellen Spargelessen mit „Persönlichkeiten aus Journalismus und Medien, Politik und Wissenschaften“. Am 16. Mai 2008 war es wieder soweit. Im „gehobenen Ambiente“ des Hotels Adlon wurden „Kontakte geknüpft und gepflegt und Gedanken ausgetauscht“ — hoffentlich auch über den BND und seine aktive Rolle bei der Diffamierung von Journalisten.

 

Nac einem Gläschen „mit feinem Riesling-Sekt der Kellerei Fürst von Metternich“ wurde Tartar vom Rauchlachs mit Frühlingssalaten, Schnittlauch, Creme Fraiche und Limetten-Touille gereicht. FAZ-Herausgeber Werner D‘lnka sprach über das schwierige „Verhältnis von Staat und Presse“ (da war es wieder!) und Phoenix-Programmchef Christoph Minhoff über „Qualitätsjournalismus im Fernsehen“. Es folgten 500 Gramm frischer Spargel im Bündel mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise; dazu Schwarzwälder Schinken, Parmaschinken und Kochschinken.

 

So lässt es sich spielend vergessen, dass man auch mal daneben liegt.

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